Konstruierte Fraktale

Die apollonische Kreispackung

Man beginnt mit vier einander berührenden Kreisen, wobei einer die anderen umschließen darf. In jede krummlinige Dreieckslücke passt ein weiterer Tangentialkreis; wiederholtes Einfügen erzeugt die apollonische Packung.

Konstruktionsdiagramm einer apollonischen Kreispackung
Konstruktion einer apollonischen Packung: In jede Lücke zwischen drei tangierenden Kreisen werden weitere Tangentialkreise eingesetzt.Bild: Stevo-88 · Wikimedia Commons · Public Domain

Der Kreis-Satz von Descartes

Für vier sich berührende Kreise erfüllen ihre vorzeichenbehafteten Krümmungen eine quadratische Beziehung, den Satz von Descartes. Aus drei kompatiblen Kreisen bestimmt er mögliche vierte Krümmungen und ermöglicht rekursive Erzeugung.

Für drei paarweise tangierende Kreise beschreibt Descartes’ Satz die Krümmungen bᵢ=1/rᵢ. Die Krümmung eines vierten Tangentialkreises erfüllt (b₁+b₂+b₃+b₄)²=2(b₁²+b₂²+b₃²+b₄²). Meist ergeben sich zwei Lösungen: der kleine Kreis in der Lücke und ein umschließender Kreis. Durch wiederholtes Einsetzen in jede neue Lücke wächst die Packung, ohne dass Position und Radius geraten werden müssen.

Packen ohne vollständiges Füllen

Neue Kreise besetzen immer kleinere Lücken. Ihre Vereinigung wird am verbleibenden Rest dicht; dieser besitzt fraktale Struktur, während seine Fläche im idealen Grenzwert null ist.

Jeder neue Kreis füllt einen Teil einer gekrümmten Dreieckslücke, erzeugt aber drei kleinere Lücken. Im Grenzwert bleibt ein Rest von Fläche null, während der Rand aus unendlich vielen Kreisen besteht. Eine endliche Grafik muss nach Radius oder Pixelgröße abbrechen; sonst werden subpixelkleine Kreise zu Rauschen. Flächenfüllung und sichtbare Vollständigkeit sind daher verschiedene Dinge: Mathematisch setzt sich die Packung fort, bildlich ist ein sinnvoller Skalenabschluss nötig.

Geometrie trifft Arithmetik

Bei geeigneten Anfangskrümmungen können alle Kreise der Packung ganzzahlige Krümmungen besitzen. Solche integralen Packungen verbinden sichtbare Rekursion mit diophantischen Gleichungen, Gruppenwirkungen und moderner Zahlentheorie.

Beginnt man mit ganzzahligen Krümmungen, kann die rekursive Descartes-Operation wieder ganzzahlige Krümmungen liefern. Dadurch entsteht eine unerwartete Verbindung zu diophantischen Gleichungen und Gruppenwirkungen. Die bunten Kreisbilder zeigen diese Arithmetik nicht automatisch; sie wird erst sichtbar, wenn Krümmungen beschriftet oder Restklassen untersucht werden. Das Beispiel verbindet elementar wirkende Tangentialgeometrie mit einer tiefen Zahlentheorie hinter der Darstellung.

Quellen und Vertiefung

Die Darstellung fasst die folgenden Fachquellen in eigenen Worten zusammen. Abruf und redaktionelle Prüfung: 12. August 2026.

  1. Apollonian GasketWolfram MathWorld
  2. Fractal Geometry: Mathematical Foundations and ApplicationsWiley